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Donnerstag, 25. Dezember 2014

The spirit of Africa


Ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Meine Eindrücke wiederzugeben, zu ordnen und einigermaßen das rüber zu bringen, was ich in den vergangenen zwei Wochen erlebt habe ist alles andere als einfach. Deswegen entschuldige ich mich vorab für 2100 Wörter!
Vor einem Monat wurde in der Vorlesung „Digital Fabrication“ von einem Projekt in Addis Adeba, Haupstadt Äthiopiens, berichtet. Ich bin um ehrlich zu sein während der Vorlesung eingeschlafen und habe dann nur mitbekommen wie er sagte „Das Projekt ist auch für Bachelor Studenten zugänglich. Bewerben Sie sich bis morgen einfach kurz mit einer Mail“.
Das Schlug ein wie ein Blitz – na klar will ich nach Afrika! Im Studenten Café habe ich mich auf den Boden gesetzt und mir schnell ein Motivationsschreiben aus den Fingern gesogen. Ich habe aber nie damit gerechnet, dass ich ausgesucht werde. Erstens warum ich ? und zweitens – was soll ein Erstie in Afrika?
Eine Woche später wurde ich des Besseren belehrt. Eine Freundin schrieb mir eine Nachricht „hast du’s gesehen? WIR FLIEGEN NACH AFRIKA!“ Ich bin so ausgeflippt und durchs Zimmer gesprungen wie es nur irgendwie möglich war. Habe sofort meine Familie angerufen und erst mal erzählt, dass ich mich überhaupt beworben habe. Dann ging auch alles Schlag auf Schlag, Förderung erhalten, Flüge buchen, impfen gehen, ...
Am 4.12. saß ich dann im Flieger.
5.45 Uhr mit einer Stunde extra wegen Rückendwind kam ich pünktlich zum Sonnenaufgang in Addis an. Ich war geflasht. Ich bin aus dem Flugzeug gestiegen und habe noch nie in meinem Leben einen so wunderschönen Sonnenaufgang gesehen.
Nach dem Ebola Check-Point, der Visumsvergabe, Geld tauschen und Koffer abholen war ich dann auch aus dem Flughafen raus und traf auf Daniel. Für ihn haben wir 3 Koffer voller Anziehsachen mitgenommen da er für die Organisation Together arbeitet. Da wird blinden Kindern und Frauen geholfen, sie können zur Schule gehen und Leben ein lebenswerteres Leben.
Daniel war unglaublich süß und freundlich und so offen. Dann haben wir auf jemanden von der Uni gewartet der uns abholen sollte. Irgendwann kam der auch und Daniel hatte dann nochmal angerufen ob wir auch sicher ins Hotel gekommen seien (ja so hilfsbereit sind fast alle Äthiopier die ich treffen durfte!)
Wir sind dann zum Hotel gefahren um herauszufinden, dass unsere Buchung untergegangen sei und wir bis 11 Uhr auf Zimmer warten müssten. Also haben wir schon mal die Stadt erkundet – kein Ding, wer muss schon schlafen.
Ich muss zugeben, der erste Tag war wirklich hart für mich. Ich hatte den absoluten Kulturschock. Aber es war auch nicht so, als ob es mir zu viel gewesen wäre. Wir waren zum Frühstück in einem so genannten „Saftladen“, er war nicht schlecht, im Gegenteil. Aber die verkaufen da eben nur Säfte. Aber was für welche! Avokado, Mango, Guave, Papaya, Anananas, Banane, ... Ein Mangosaft für mich,bitte – 30ct. (enthält übrigens 3 Mangos!) und der Avokado Saft besteht aus 5 und kostet auch 30 cent. HEAVEN! Zum Glück war auch grade Fastenzeit. Ich konnte überall veganes Essen bestellen – wie wunderbar.
Die Straßen in Äthiopien sind voll. Voll mit Autos, Abgasen, Menschen, Eseln, Straßenhunden und leider auch zahlreichen Straßenkindern. Das hat mir jeden Tag aufs neue das Herz zerrissen , da ich Kinder wirklich liebe. Aber auch wie ganze Familien in Boxen so groß wie Hundehütten gelebt haben, hat mich schockiert. Natürlich wusste ich, dass es so etwas gibt, aber es mit eigenen Augen zu sehen ist nochmal ein ganz schöner Unterschied.
Gegen 11 sind wir dann ins Hotel und haben eingecheckt. Hätte ich besser lassen sollen. Denn das Zimmer hat mir an diesem Tag den Rest gegeben. Riesige Blutflecken auf dem Bettlacken (Gott sei Dank hatte ich ein Schlafsack dabei), die Toilettenspülung ging nicht, überall Schimmel, die Dusche war nur ein Loch und aus dem Hahn kam überall Wasser, nur nicht warm und auch nicht aus dem Duschkopf. Für umgerechnet 17€ ist das Taitu Hotel absolut überteuert und auf keinen Fall empfehlenswert!
Nach ein paar Tagen des Einlebens war ich jedoch froh überhaupt ein Bett und Wasser zu haben.
Nachdem wir die Koffer untergestellt haben ging es direkt zum Uni Campus. Wiedererwartens mussten wir auch gleich arbeiten. Eigentlich sind wir nämlich 2 tage eher angereist als der Rest um die Stadt zu sehen und nicht um voraus zu arbeiten, schon gar nicht nach 32 Stunden Wach- sein. Irgendwann wurden wir dann zum Mittag ausgeführt. Es gab Injera. Das ist eine Art säuerlicher riesen Crepes mit allen Arten von Soßen, Reis,  Kartoffeln, ... Man isst es mit den Händen und „Beste Freunde“ füttern sich gegenseitig. Wenn dich jemand füttern möchte darfst du das auch  keinesfalls Ablehnen. (ich habs trotzdem getan, dann scharf kann ich einfach nicht essen!)
Jedenfalls waren bei dem essen auch schon gleich Studenten mit dabei. Und mittlerweile kann ich sagen: die mit besten Menschen der Welt!
Mit Kidus (männlich) war ich sofort auf einer Wellenlänge, wir haben uns gesehen, uns vorgestellt und Zack- es hat eingeschlagen wie ein Blitz.
Abends sind wir dann wieder ins Hotel, eigenständig mit dem Minibus. Minibus sind diese Familienkutschen die da aber eben als Bus fungieren. Eine Fahrt umgerechnet ca. 2 Cent. Du springst raus wann du es musst. Eigentlich dürfen da auch nicht mehr als 11 Leute drinnen sein (Gibt eh nur 8 Sitze) einmal haben wir aber gezählt und kamen auf stolze 24! Irgendwie haben wir uns durchgeschlagen und sind im Hotel angekommen. Grade als ich versuche mir das Zimmer schön zu reden und den Strom bzw. das Licht zu loben- zack – Dunkelheit. War wohl nichts mit Strom. Der fällt in Addis nämlich mindestens 3 mal täglich einfach aus.  Am nächsten Tag haben wir uns weiter die Stadt angehsehen, waren auf dem Mercado. Und ab da an fing ich an Afrika zu lieben. Es war einfach alles so anders und ich war auf einmal so unglaublich glücklich und froh das alles sehen und erfahren zu können. Der Mercado ist ein riesiger Markt. Sieht aus wie ein Slum, ist wahrscheinlich auch eins. Als blondes weißes Mädchen falle ich natürlich überall auf. Ständig wurde mir was zu gerufen (was ich selten verstanden habe da ich leider NOCH kein Amarisch spreche), meine haare wurden bewundert und angefasst, ich bekam Heiratsanträge und musste für alles mindestens das 3 fache zahlen. Denn weiße sind reich, denkt man da zumindest. Das handeln und hart sein hab ich jedoch schnell gelernt. Nach dem beeindruckenden Markt sind wir mit den Studenten zurück zum campus. Abends ging es dann direkt zu einer Haus-Party. Das war mal was. Das Haus umzäunt mit Stacheldraht, lauter Rap schallte die Straße entlang, ein Lagerfeuer in der Mitte und unzählige tanzende Äthiopier.
Ich gehe wirklich ungern abends weg und hab auch an dem Abend lange überlegt ob ich mitkomme. Zum Glück hab ich es getan. Ich hab mir die Seele aus  dem Körper getanzt und gelacht wie lange nicht mehr.
Gegen 1 Uhr nachts sind wir zum Flughafen gelaufen um noch einen aus unserer Gruppe abzuholen. Die haben ja wirklich ein Schuss . Wir durften nicht in das Gebäude und uns auch nicht auf die Treppen davor setzen. Ist ja nicht so als würde es auch bis zu 5 °C kalt werden – danke herr Wächter! Dann sind wir mit dem Taxi ins Hotel und ganz schnell schlafen gegangen. Am nächsten Tag wurde ich durch intensives, aggressives klopfen an der Tür geweckt. VERSCHALFEN. Unsere Gruppe war komplett, Äthiopische Studenten haben auch auf uns gewartet, wie peinlich. Dann sind wir vom Hotel zur Uni gelaufen. Das waren so ca. 1 ½ Stunden. Zwischenstopp gab es beim Projekt des vorherigen Jahres in einer Art Slum. Da waren unglaublich viele kleine süße Kinder und dann wurden wir von einer Familie zur Kaffeezeremonie eingeladen – die Ärmsten geben wirklich immer zu erst. Es war unglaublich toll und ich war so dankbar und traurig zu gleich. Im Hauseingang stand dann dieses süße kleine Mädchen, Yasmin. Gott was ist sie hübsch! Mir war klar das ich sie fotografieren musste, also habe ich einen nach Erlaubnis fragen lassen und dann drauf gewartet dass sie ihre Schüchternheit ablegt. Mit viel Schokolade und Capri Sonne konnte ich sie für mich gewinnen.
Eigentlich trinke ich keinen Kaffee, aus Höflichkeit habe ich dann doch probiert und WOW. Der kaffee war so so so gut. Seit diesem tag an gab es für mich täglich mindestens einen äthiopischen espresso  (Rekord waren 5).
Dann sind wir zur Uni, haben andere Betreuer kennengelernt
Am Montag ging es dann mit dem bauen des Pavillons los. Katastrophe sag ich nur. Es ging darum alles zu stecken. Nur leider hat NICHTS gepasst und wir haben natürlich nicht den Zeitplan eingehalten. Es ist eine Menge Geld zum Fenster raus geschmissen wurden (meiner Meinung nach) und am Ende der Woche waren alle genervt voneinander. Jedenfalls Studenten von den Professoren und andersrum. In der Gruppe selber hat sich die Stimmung ganz gut gehalten.
Die nächsten Tage über waren wir Abends eigentlich immer mit unseren Äthiopiern unterwegs. Shisha Bar, Burger Restaurant, Smoothie-Läden, Lagerfeuer auf dem Uni Campus. Alles war einfach toll und hat so unglaublich viel Spaß gemacht! Am Donnerstag wurden wir dann vom Lehrstuhl zum Essen eingeladen. Am Lagerfeuer hab ich von Kidus ein selbstgemachtes Armband und Ohrringe geschenkt bekommen von denen ich ganz begeistert bin.
Weil die Studenten nach 24 Uhr nicht mehr in ihr Wohnheim können und es wohl anscheint auch nicht geht so spät noch zuhause aufzukreuzen haben wir einige des Öfteren mit in unsere Betten gestopft.
Aber die haben es da auch nicht so mit Privatsphäre. Toiletten an sich sind schon selten, meist gibt es nur ein loch im Boden. Noch seltener sind jedoch funktionierende Türen ... Ihr wisst was das heißt.
Die äthiopischen Studenten waren alle wirklich total süß und sehr bemüht. Alle Wünsche wurden von den Lippen abgelesen und wir haben wirklich viel in der doch so kurzen zeit gesehen und kennenlernen dürfen.
Am Samstag vor Abreise ging es dann noch in einen Nationalpark außerhalb von Addis. Traumhaft schöne Landschaft. Kilometerweite Steppe, süße runde Häuser mit Strohdächern, unzählige Pferde und Kühe. Im Nationalpark wurde dann unser Bro vom Affen geklaut und die Jungs haben für alle gegrillt. Für mich gab es dann eben nur Bananen. Die sind im übrigen super gut, gibt es an jeder Ecke, kosten fast nichts und ich finde das sie nach Bananenjogurt schmecken.
Abends ging es dann zu einem klassischen Konzert. War eher so mittel spannend. Anschließend noch lecker Essen und alle waren happy, besonders ich. Sonntag waren wir auf dem Toto Mountain, Ein Berg auf dem man einen wundervollen Blick über ganz Addis hat. Anschließend ging es in einen „park“ der sich als Art Biergarten rausstellte. War super schön, wünschte wir wären da länger geblieben. Abends sind wir dann in ein Restaurant mit traditionellen Tänzern. Das war wirklich unglaublich wunderschön! Wie die tanzen können ... wirklich unfassbar! Montag war dann unser letzter Tag, der Bestand aus Mitbringsel shoppen, letzte Minuten genießen und unzähligen tränen. Man was hab ich geweint am Flughafen! So sehr das ich es zu Stande gebrachte habe den gesamten Flug durchzuschlafen. 7 Stunden, Essen, Getränke, schreiende Kinder – nichts hab ich mitbekommen. Und dann bin ich aufgewacht und war plötzlich zurück in eigentlich „meiner“ Welt. Weihnachten, Lichter, Kinder die alles haben, ... es war so heftig. Ich hätte gerne einfach ein bisschen mehr Zeit gehabt um anzukommen. Aber das ging so schlag auf schlag. Grade lag ich noch meinen neu gewonnen Freunden in den armen, hab Straßenkinder gedrückt und an der Hand gehabt und zack boom bin ich in einer Welt in der sich keiner grüßt. Voller kälte und Desinteresse. Ich mag Deutschland, nicht falsch verstehen. Aber Addis war so unglaublich wundervoll und die zeit war doch trotz allem einfach perfekt. Ich bin sehr sehr dankbar für die Erfahrung und vor allem die Menschen die ich treffen durfte.
Die Armut ist schrecklich und ich hab auch öfter mich von der Gruppe abgeseilt und ein paar Tränen verdrücken müssen. Man will helfen wenn man da ist, sofort und auf der Stelle – nur wie ist unklar. Den manchmal macht man dadurch auch alles schlimmer. Im März heißt es dann wieder weinen , aber diesmal vor Freude, denn ich fliege zurück. Und mit mir werde ich viele kleine Süßigkeiten nehmen, denn damit macht man definitiv nichts falsch. Und bis dahin heißt es fleißig arbeiten damit ich mir das ganze auch finanzieren kann.












1 Kommentar:

  1. Das hat mich jetzt echt gerührt das zu lesen! War vor 4 Jahren in Ruanda, ebenfalls für 2 Wochen, und werde diese Reise nie vergessen. Haben auf einem Internatsgelände gelebt, so viele nette Menschen kennengelernt, eine Safari-Tour gemacht und geholfen ein Haus zu bauen. :) Man kann so schnell den Menschen dort drüben helfen mit Kleinigkeiten! Finde ich toll das du die Möglichkeit genutzt hast :)

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